Stromzähler und Jahresabrechnung auf einem Küchentisch

Ein Dresdner Vier-Personen-Haushalt bekam im Frühjahr seine Jahresabrechnung: 4.100 Kilowattstunden, abgerechnet zum Grundversorgungstarif. Unterm Strich 1.610 Euro. Ein Nachbar mit fast identischem Verbrauch zahlte im selben Zeitraum 1.180 Euro. Der Unterschied lag nicht am Verbrauch, sondern allein am Tarif.

Solche Abstände sind in Sachsen die Regel, nicht die Ausnahme. Der Grund liegt in einer Preisspanne, die größer ist, als die meisten Haushalte vermuten.

Was Haushalte in Sachsen aktuell zahlen

Eine Kilowattstunde Strom kostet in Sachsen je nach Stadt und Tarif zwischen 24 und 41 Cent. Diese Spanne verteilt sich sehr ungleich auf zwei Gruppen.

Tarifart Preis je kWh Jahreskosten bei 3.500 kWh
Grundversorgung 37 bis 41 Cent 1.295 bis 1.435 €
Bestandskundentarif beim Regionalversorger 30 bis 36 Cent 1.050 bis 1.260 €
Alternativer Anbieter, Neukundentarif 24 bis 30 Cent 840 bis 1.050 €
Günstigster Anbieter im Land ab 26,20 Cent ab 917 €

Haushalte in der Grundversorgung zahlten zuletzt im Schnitt 39,25 Cent je Kilowattstunde.

Im Bundesvergleich liegt Sachsen mit einem Durchschnittspreis von 26,20 Cent je Kilowattstunde für Neukunden auf Platz neun von sechzehn und damit etwa ein Prozent über dem bundesweiten Mittel. Das Land ist also weder besonders teuer noch besonders günstig, die Unterschiede entstehen innerhalb des Landes.

Warum die Preise regional auseinandergehen

Der Strompreis setzt sich aus drei Blöcken zusammen: Beschaffung und Vertrieb, Netzentgelte sowie Steuern und Abgaben. Nur der erste ist zwischen Anbietern verhandelbar, der zweite unterscheidet sich je nach Netzgebiet.

Daraus ergeben sich die regionalen Unterschiede in Sachsen:

  • Dresden und Leipzig haben dichte Netze mit vielen Anschlüssen und dadurch vergleichsweise moderate Netzentgelte.
  • Ländliche Gebiete in der Oberlausitz und im Erzgebirge tragen höhere Netzkosten pro Anschluss.
  • Regionen mit hohem Anteil an Einspeisung aus Wind und Photovoltaik haben in Teilen höhere Entgelte, weil der Netzausbau dort umgelegt wird.

Für einen Haushalt bedeutet das: Der Anteil, den Sie beeinflussen können, liegt bei rund der Hälfte des Rechnungsbetrags. Diese Hälfte ist aber genau die, in der die 400 Euro Unterschied stecken.

Eine Entlastung ist in Sicht. SachsenEnergie hat angekündigt, die Strompreise ab 2026 zu senken, was vor allem Haushalte in Dresden und Umgebung betrifft. Wer im Grundversorgungstarif steckt, sollte trotzdem prüfen: Auch nach einer Senkung bleibt die Grundversorgung in der Regel der teuerste Tarif im Netzgebiet. Welche Konditionen für den eigenen Verbrauch tatsächlich infrage kommen, lässt sich mit einem Tarifüberblick in wenigen Minuten gegenrechnen.

Innerhalb Sachsens unterscheiden sich die Stromtarife je nach Stadt und Netzgebiet spürbar. In Chemnitz und Zwickau lagen die Grundversorgungspreise zuletzt etwas über denen in Leipzig, was fast vollständig auf die Netzentgelte zurückgeht. Für den Vergleich brauchen Sie deshalb Ihre Postleitzahl, denn erst sie bestimmt, welche Stromanbieter an Ihrer Adresse überhaupt liefern und zu welchem Preis.

Wie viel ein Wechsel bringt

Das durchschnittliche Sparpotenzial durch einen Anbieterwechsel liegt in Sachsen derzeit bei rund 410 Euro im Jahr. Diese Zahl bezieht sich auf Haushalte, die aus der Grundversorgung in einen alternativen Tarif wechseln.

Rechnen Sie es für Ihren Haushalt nach. Die Formel ist schlicht: Jahresverbrauch in Kilowattstunden mal Preisdifferenz je Kilowattstunde. Bei 3.500 Kilowattstunden und einer Differenz von zwölf Cent sind das 420 Euro.

Zwei Punkte sind dabei wichtig:

Der Grundpreis zählt mit. Er liegt zwischen 80 und 180 Euro im Jahr und macht bei kleinen Haushalten einen erheblichen Anteil aus. Bei 1.500 Kilowattstunden Verbrauch kann ein Tarif mit niedrigem Arbeitspreis und hohem Grundpreis teurer sein als das Gegenteil.

Boni verzerren den Vergleich. Viele günstige Tarife enthalten einen Neukundenbonus, der nur im ersten Jahr gezahlt wird. Sehen Sie sich deshalb immer auch den Preis ohne Bonus an, denn das ist der Preis ab dem zweiten Jahr.

Was den eigenen Verbrauch bestimmt

Neben dem Tarif entscheidet die verbrauchte Menge. Typische Werte in Sachsen:

  1. Ein-Personen-Haushalt, Wohnung: 1.300 bis 1.800 kWh
  2. Zwei Personen, Wohnung: 2.000 bis 2.800 kWh
  3. Drei Personen, Wohnung oder Haus: 3.000 bis 3.800 kWh
  4. Vier Personen, Haus: 3.800 bis 4.800 kWh
  5. Haushalt mit Wärmepumpe: zusätzlich 3.000 bis 6.000 kWh

Liegt Ihr Verbrauch deutlich über diesen Werten, lohnt vor dem Tarifwechsel ein Blick auf die Ursachen. Die häufigsten sind ein alter Kühl- oder Gefrierschrank, eine elektrische Warmwasserbereitung über Durchlauferhitzer und ein hoher Standby-Anteil bei Unterhaltungselektronik.

Ein Zweitkühlschrank im Keller verbraucht je nach Alter 250 bis 450 Kilowattstunden im Jahr. Das sind bei 35 Cent rund 90 bis 160 Euro, für Getränke, die man auch im Erdgeschoss lagern könnte.

Was viele beim Wechsel falsch machen

Drei Punkte sorgen regelmäßig für Ärger, obwohl sie leicht zu vermeiden sind.

Der Abschlag bleibt zu hoch. Nach dem Wechsel setzen viele Anbieter den monatlichen Abschlag auf Basis des alten Preises an. Wer das nicht korrigiert, zahlt ein Jahr lang zu viel und bekommt die Differenz erst mit der Jahresrechnung zurück. Ein Anruf genügt, um den Abschlag anzupassen.

Der Zählerstand fehlt. Notieren Sie ihn am Wechseltag selbst und schicken Sie ihn beiden Anbietern. Ohne eigene Ablesung schätzt der Versorger, und Schätzungen fallen selten zu Ihren Gunsten aus.

Die Kündigung läuft ins Leere. Wenn Sie selbst kündigen statt den neuen Anbieter beauftragen, kann eine Lücke entstehen, die automatisch in der teuren Grundversorgung endet. Lassen Sie den neuen Versorger kündigen, das ist der übliche Weg.

So gehen Sie vor

  • Jahresabrechnung heraussuchen und den Verbrauch in Kilowattstunden notieren.
  • Aktuellen Arbeits- und Grundpreis ablesen.
  • Vergleichsrechner mit dem echten Verbrauch füttern, nicht mit einer Schätzung.
  • Tarife ohne Vorkasse und ohne Kaution wählen, Preisgarantie mindestens zwölf Monate.
  • Den Preis ohne Bonus als Entscheidungsgrundlage nehmen.
  • Kündigungsfrist im Kalender vermerken, damit sich der Vertrag nicht automatisch verlängert.

Der letzte Punkt entscheidet darüber, ob die Ersparnis dauerhaft ist. Wer einmal wechselt und dann liegen bleibt, landet nach zwei Jahren wieder in einem Tarif, der über dem Marktdurchschnitt liegt.

Verbraucherinformationen zu Strompreisen, Netzentgelten und den Rechten beim Anbieterwechsel stellt die Bundesnetzagentur bereit.

Wie sich die Stadt insgesamt entwickelt und welche Infrastrukturprojekte dahinterstehen, zeigt der Beitrag über Dresden im Wandel. Und wer das Thema Energie breiter betrachten will, findet in der Übersicht zu Nachhaltigkeit in Dresden die lokalen Initiativen dazu.